Energiekrise verschärft inflation – zentralbanken im krisenmodus
Die steigenden Energiepreise treiben die Inflation an, was wiederum die Zinsanhebungen der Zentralbanken beschleunigt. Eine gefährliche Kettenreaktion, die die Finanzstabilität global herausfordert. Die aktuelle geopolitische Lage, insbesondere der Konflikt im Nahen Osten und die daraus resultierende Energieverknappung im Persischen Golf, zwingt die Europäische Zentralbank (EZB) und die US-Notenbank (Fed) zu einem noch entschlosseneren Vorgehen.

Zinswende in der warteschleife: die ezb und die fed stehen vor schwierigen entscheidungen
Die kommende Woche wird für die beiden mächtigsten Zentralbanken des Planeten entscheidend. Die Fed trifft sich am 18. März mit Daten, die unter normalen Umständen eine Zinssenkung nach dem enttäuschenden Arbeitsmarktbericht nahelegen würden. Doch die Inflation, die sich hartnäckig hält, lässt andere Pläne entstehen. Analysten erwarten derzeit keine Zinsänderung, aber die Lage könnte sich schnell ändern.
Die EZB folgt am darauffolgenden Tag, befindet sich aber in einer anderen Ausgangslage. Während die Fed mit einem Leitzins von 5,25 % operiert, liegt die EZB bei 3,75 %. Dies gibt EZB-Präsidentin Christine Lagarde Spielraum für eine vorbereitende Zinserhöhung, wie sie von den hawharden Mitgliedern des Rates gefordert wird. Die Fehler der Vergangenheit, insbesondere die zögerliche Reaktion auf die Inflationsentwicklung im Jahr 2022, lasten schwer auf dem Mandat der EZB.
Die massive Liquidität und die angesammelten Ersparnisse aus der Corona-Pandemie sind dieses Mal nicht vorhanden. Das bedeutet, dass die aktuelle Energiekrise potenziell heftiger schlagen könnte. 2022 reagierte die Fed frühzeitig auf die Inflation, während die Europäische Zentralbank lange zögerte, was zu einer höheren Inflationsrate führte. Die Geschichte wiederholt sich nicht, aber sie reimt sich oft.
Ronald Temple, Chefstratege bei Lazard, warnt vor möglichen Überraschungen bei der allgemeinen Inflation durch den Konflikt im Nahen Osten. Die Unterbrechung der Ölversorgung könnte sich über mehrere Monate verstärken. Die Öl- und Gaspreise sind in den letzten Tagen um 50 % bis 100 % gestiegen. Verbraucher spüren dies unmittelbar – bei Benzin, Diesel und der Stromrechnung.
Der Blockade des Schatt Meeres hat ein ohnehin knappes Angebot an Öl und Gas zusätzlich belastet. Schätzungen zufolge sind 20 % bis 30 % der Lieferungen betroffen. Saudi-Arabien arbeitet jedoch daran, seine Exportkapazitäten durch den Bau von Pipelines in Richtung Rotem Meer wiederherzustellen. Die Welt steht vor einer der größten Ölversorgungskrisen der Geschichte, möglicherweise sogar größer als die von 2003 oder die iranisch-iraakischen Kriege.
Die Energiekrise ist nicht nur eine Frage der Preise, sondern auch der geopolitischen Auswirkungen. Die Abhängigkeit von einzelnen Lieferanten und die Anfälligkeit für politische Instabilitäten werden deutlicher sichtbar. Die Zeit des billigen und sicheren Energiegewinns ist vorbei. Die kommenden Monate werden zeigen, wie tiefgreifend diese Veränderung tatsächlich ist.