Euro mit cervantes: ecb kremiert neue design-debatte
Die Europäische Zentralbank steht kurz davor, das Design für den Euro zu abschließen – und damit für eine Revolution im täglichen Geldhandling. Zum ersten Mal in der Geschichte der Währung sollen die neuen Geldscheine historische Persönlichkeiten zeigen, und Spanien erhält dabei eine prominente Rolle.
Miguel de cervantes als anverso? ein historischer coup
Konkret ist der Schriftsteller Miguel de Cervantes als Motiv für die Gestaltung des 50-Euro-Billetts vorgeschlagen worden – der am stärksten gebräuchliche Schein im europäischen Alltag. Die Entscheidung, bisher auf abstrakte Darstellungen von Architekturstilen zu setzen, ist nun Geschichte. Die Neutralität, die seit über 20 Jahren die eurogültigen Scheine prägte, wird durch die Einbeziehung von Persönlichkeiten aufgerüttelt.
Die Einführung des Euro im Jahr 2002 führte dazu, dass die Scheine lange Zeit frei von menschlichen Abbildern blieben. Der Grund: Die Vielfalt der europäischen Geschichte, Helden und kulturellen Präferenzen machte die Auswahl einer einzelnen Figur nahezu unmöglich – und würde zwangsläufig viele andere ausschließen. Diese Strategie der Abstraktion hat nun ein Ende gefunden.

Jurierung und bürgerbeteiligung im fokus
Der Prozess des Redesigns, der bereits im Dezember 2021 begann, geht nun in die entscheidende Phase. Die Designwettbewerber, die von der ECB zur Teilnahme eingeladen wurden, müssen bis Ende April ihre Entwürfe einreichen. Im Juni werden aus den zahlreichen Vorschlägen bis zu zehn Finalisten ausgewählt – jeweils fünf für die beiden konkurrierenden Themen: „Europäische Kultur: Ein gemeinsames Erbe“ und „Flüsse und Vögel Europas“. Anschließend soll es eine öffentliche Bürgerbeteiligung geben, um die Präferenzen der europäischen Bevölkerung zu ermitteln.
Die endgültige Entscheidung liegt jedoch beim Governing Council der Europäischen Zentralbank. Es wird erwartet, dass diese bis Ende 2026 ihre Entscheidung treffen wird. Die Debatte konzentriert sich dabei auf die visuelle Umsetzung der Designs – die Komposition, die Typografie und die grafische Gestaltung.

500Er-euro-scheine verschwinden
Ein wichtiger Aspekt ist der Ausstieg des 500-Euro-Billetts aus der Serie. Diese Entscheidung fiel bereits im Jahr 2016 und ist ein Zeichen dafür, dass dieser Schein in der Schattenwirtschaft und bei Geldwäscheaktivitäten zu oft missbraucht wurde. Die neuen Scheine bestätigen somit die Weigerung, diesen Trend fortzusetzen. Die bestehenden 500er-Scheine behalten jedoch weiterhin ihre gesetzliche Gültigkeit und können in allen nationalen Zentralbanken der Eurozone ohne zeitliche Begrenzung eingetauscht werden.
Die tatsächliche Einführung der neuen Scheine wird voraussichtlich erst 2028 oder sogar 2030 erfolgen. Während dieser Übergangsphase werden die aktuellen Scheine weiterhin parallel verwendet. Die detaillierte Ausarbeitung der Sicherheitsmerkmale und die Produktion der neuen Geldscheine sind langwierige Prozesse, die noch viele Monate dauern werden.

Ein symbol der europäischen literatur
Die Entscheidung, Cervantes auf dem 50-Euro-Schein darzustellen, ist ein klares Bekenntnis zur europäischen Kultur und Literatur. Das Rückseiten-Design zeigt eine Bibliothek, in der Menschen in gedruckter und digitaler Form lesen – ein Symbol für die Tradition der europäischen Literatur und deren Fortbestand in der modernen Ära. Es ist ein Ausdruck der Wertschätzung für das Buch und seine Bedeutung. Dieser Schritt ist nicht zu unterschätzen, da der 50-Euro-Schein der am häufigsten verwendete Schein im europäischen Finanzverkehr ist.