Ormuz-knotenpunkt: iran droht mit schließung – weltwirtschaft am rande

Teheran fordert die Schließung des Schattestransports durch den schmalsten Engpass der Welt, sollte die US-amerikanische und israelische Militäroperation gegen das Regime fortgesetzt werden. Die Eskalation der Spannungen könnte die globale Energieversorgung in eine tiefe Krise stürzen – und zwar schneller als je zuvor. Die jüngsten Entwicklungen rütteln weltweit am Nervenkostüm der Finanzmärkte.

Die Gefahr ist real: Seit den jüngsten Angriffen auf iranische Einrichtungen ist der Schiffsverkehr durch den Schiffsengpass Ormuz nahezu zum Erliegen gekommen. Die Internationale Energieagentur (IEA) warnte heute vor der größten Unterbrechung der Ölversorgung in der Geschichte des Ölmarktes. Die Preise schwanken unkontrolliert, und die globale Produktion ist um 7,5 % beeinträchtigt, wobei die Exporte noch stärker betroffen sind.

Die strategische bedeutung des ormuz-straßens

Der Ormuz-Meerenge stellt eine lebenswichtige Wasserstraße dar, die das Persische Golf mit dem Indischen Ozean verbindet. Für die meisten Ölproduzenten im Golf – darunter Saudi-Arabien, Irak, Kuwait, die Vereinigten Arabischen Emirate und Iran – ist sie der einzige Weg, ihre Rohölexporte zu realisieren. Im Jahr 2025 transportierten Schiffe rund 16,7 Millionen Barrel Öl und Condensat täglich durch diese Engstelle. Auch für den Transport von Flüssigerdgas (LNG), insbesondere aus Katar, ist die Route von zentraler Bedeutung: Fast ein Fünftel der weltweiten LNG-Lieferungen zirkulierte im vergangenen Jahr durch den Kanal.

Die Enge der Meerenge – maximal 34 Kilometer breit – macht sie besonders anfällig. Tiefe und die Nähe zu iranischem Festland schaffen zudem ein Umfeld, in dem Schiffe für Angriffe mit Raketen oder von Patrouillenbooten verwundbar sind. Die US-amerikanische Navy verstärkte ihre Präsenz in der Region, doch die Drohung durch iranische Angriffe bleibt bestehen.

Nach der Vertragsart der Vereinten Nationen über das Seerecht genießen neutrale Schiffe das Recht auf gewillkürten Durchgang. Allerdings hat der Iran diesen Vertrag zwar unterzeichnet, aber noch nicht ratifiziert. In der Vergangenheit hat Teheran wiederholt seine Fähigkeit zur Blockade des Schattestransports betont – ohne diese Drohungen tatsächlich umzusetzen, was jedoch bei einem tatsächlichen Vorgehen auf heftige Reaktionen westlicher Marineeinheiten stoßen würde.

Der Iran verfügt über vielfältige Mittel, um Störungen zu verursachen. Neben kleineren Angriffen mit Patrouillenbooten sind auch Raketen- und Drohnenangriffe auf Tanker denkbar, die den Schattestransport für kommerzielle Schiffe unrentabel machen würden. Die Streuung von Seeminen wäre eine weitere Option, birgt aber das Risiko für eigene Schiffe.

Historische präzedenzfälle und aktuelle entwicklungen

Historische präzedenzfälle und aktuelle entwicklungen

Die jüngste Eskalation erinnert an die Ölfeldkriege zwischen Iran und Irak (1980-1988), in denen beide Seiten Schiffe im Persischen Golf angriffen. Die US-Marine reagierte mit Eskorte für kuwaitische Öltransporte. 2019 bildete eine US-geführte Koalition, das Maritime Security Cooperation Group, eine Allianz von Staaten, um die Schifffahrtsrouten im Nahen Osten zu sichern, nachdem eine Reihe von Angriffen auf Schiffe und Landanlagen den Mitgliedern zugeschrieben wurden.

Seit Ende 2023 hat sich der Fokus der Sicherheitsbemühungen jedoch vom Ormuz-Straßen auf den Bab-el-Mandeb-Meerenge verlagert, die den Roten Meer mit dem Golf von Aden und dem Indischen Ozean verbindet. Hier haben Houthi-Milizen, die von Iran unterstützt werden, Schiffe angegriffen. Als Reaktion auf die jüngsten Spannungen haben einige Reedereien ihre Routen durch den Ormuz-Straßen beschleunigt, während die USA ihre Schiffe dazu aufforderten, weitgehend auf iranische Gewässer zu verzichten. Anfang Februar abgeschossen wurde ein iranisches Kampfflugzeug, das sich dem US-Träger USS Abraham Lincoln näherte.

Alternative routen und abhängigkeiten

Alternative routen und abhängigkeiten

Saudi-Arabien kann einen Teil seiner Ölexporte über den 1.200 Kilometer langen Ölleitungsnetzwerk zum Roten Meer verlegen. Die Kapazität dieses Ölleitungsnetzes beträgt 5 Millionen Barrel pro Tag. Die Vereinigten Arabischen Emirate verfügen über die Möglichkeit, mittels der Pipeline Habshan-Fujairah Öl in den Golf von Oman zu transportieren (Kapazität: 1,5 Millionen Barrel pro Tag). Irak, Kuwait, Katar und Bahrain sind jedoch auf den Schattestransport angewiesen.

Der Iran selbst hat seine Ölexporte über den Ormuz-Straßen im Jahr 2025 auf ein Niveau gesteigert, das seit 2018 nicht mehr erreicht wurde. Die aktuelle Lage unterstreicht die Anfälligkeit der Weltwirtschaft für geopolitische Spannungen und die Notwendigkeit einer nachhaltigen Energieversorgung, die unabhängiger von solchen Engpässen ist. Die Auswirkungen auf die globalen Märkte werden sich in den kommenden Wochen und Monaten zeigen.