Revolut: vom startup zum europäischen finanzgiganten?
Sie begannen als App für Reisende und sind inzwischen eine der schnellst wachsenden Banken Europas: Revolut. Mit einer Bewertung von über 75 Milliarden Euro und Investoren wie Nvidia hat das Fintech-Unternehmen die etablierten Banken aufgeschreckt. Doch was steckt hinter dem Erfolg und welche Zukunftsperspektiven hat Revolut?
Die bankenwelt im umbruch: warum revolut so erfolgreich ist
Ignacio Zunzunegui, der für Revolut die Expansion in Südeuropa, Lateinamerika und nun auch die USA verantwortet, erklärt den ursprünglichen Impuls: „Wir sind entstanden, weil wir festgestellt haben, dass das traditionelle Bankwesen defizitär ist – intransparent, mit überhöhten Gebühren und einem unbefriedigenden Kundenerlebnis.“ Dieser Ansatz kam bei den Kunden an. Über 70 Millionen Nutzer weltweit vertrauen Revolut mittlerweile ihren Finanzen an – mehr als einige der größten europäischen Banken.
Die Zahlen sprechen für sich: Der Umsatz des Unternehmens übersteigt die 5-Milliarden-Euro-Marke. Ein wesentlicher Faktor für diesen Erfolg ist nicht nur ein „gewinnendes Produkt“, sondern auch die gezielte Investition in Marketing. Man findet Revolut prominent platziert auf Veranstaltungen wie dem Primavera Sound, der „La Velada“ von Ibai Llanos oder im Audi F1 Team. Ein cleverer Schachzug, um die Marke zu etablieren und neue Kunden zu gewinnen.
In Spanien allein konnte Revolut im Jahr 2023 über 2 Millionen neue Kunden gewinnen – eine Leistung, die im krassen Gegensatz zu traditionellen Banken wie BBVA steht, die im selben Zeitraum lediglich 250.000 Neukunden verzeichneten. Die Penetration in Spanien beträgt beeindruckende 13%, was Revolut zur viertgrößten Finanzinstitution des Landes macht.

Neue geschäftsfelder und die zukunftspläne
Revolut diversifiziert sein Geschäftsmodell und testet derzeit Hypothekenangebote, zunächst in Litauen. Sollte sich dieser Pilotprojekterweisen, sollen die Hypothekenangebote in weitere europäische Länder wie Irland, Frankreich und möglicherweise auch Spanien ausgeweitet werden. Allerdings gibt es noch keinen Zeitplan für die Einführung.
Obwohl viele Tech-Unternehmen aktuell unter dem Druck stehen, Kapital zu beschaffen, scheint Revolut nicht in Eile zu sein, an die Börse zu gehen. Das Unternehmen ist bereits in über 40 Ländern präsent und hat sich das Ziel gesetzt, seine Reichweite auf 100 Märkte auszuweiten. „Wir sind ein profitables Unternehmen und konzentrieren uns jetzt auf weiteres Wachstum“, so Zunzunegui.
Der Weg zur vollständigen Banklizenz im Vereinigten Königreich wurde im März 2026 erfolgreich beschritten, und Revolut erwartet, dass auch in den USA in den kommenden Monaten eine entsprechende Lizenz erteilt wird. Doch das eigentliche Ziel ist ambitioniert: „Ich möchte, dass Revolut als der Apple der Finanzbranche wahrgenommen wird – ein Unternehmen, das eine neue Ära einleitet und den Status quo der traditionellen Banken aufbricht.“