Spanien bereitet sich auf energiekrise vor: regierung startet notfallmaßnahmen

Die spanische Regierung hat eine dringende Phase der Konsultationen mit politischen, wirtschaftlichen und sozialen Akteuren eingeleitet, um ein neues Maßnahmenpaket gegen die von den geopolitischen Spannungen im Nahen Osten ausgelöste Energiekrise zu entwickeln. Angesichts des steigenden Preises für Öl und Gas, der Haushalte und Unternehmen trifft, zielt das Ziel ab, frühzeitig zu reagieren und einen umfassenden Reaktionsplan vorzubereiten.

Ein zentraler Punkt der Diskussionen ist die mögliche Wiederaufnahme von Subventionen für Kraftstoffe oder eine Senkung der Mehrwertsteuer auf Lebensmittel, Vorschläge, die bereits kontrovers diskutiert werden. Die Regierung plant, innerhalb der nächsten Tage einen Entwurf für dieses Maßnahmenpaket zu finalisieren, um es nächste Woche dem Wirtschaftsrat vorzulegen. Diese Maßnahmen erinnern an die Strategien, die während der Pandemie und der Energiekrise aufgrund des Krieges in der Ukraine erfolgreich angewendet wurden: Ein soziales Schutzschild, das Arbeitnehmer, Unternehmen und besonders vulnerable Sektoren unterstützt.

Wirtschaftsminister Carlos Cuerpo schätzte in einem Interview mit TVE, dass die vollständige Preissteigerung von Öl und Gas etwa vier bis zehn Tage dauern wird, bis sie sich in den Tankstellenpreisen widerspiegelt. Die ersten Auswirkungen sind bereits spürbar: Dieselpreise sind um 14 %, Benzin um rund 8 % gestiegen.

Neben direkten finanziellen Hilfen erwägt die Regierung auch die Verwendung von Arbeitszeitregelungen wie kurzzeitige Arbeitslosengeldprogramme (ERTE) und das flexible Arbeitszeitmodell RED, um Entlassungen zu vermeiden. Arbeitsministerin Yolanda Díaz betonte, dass das bestehende rechtliche Rahmenwerk ausreichend Instrumente bietet, um Unternehmen in schwierigen Zeiten zu unterstützen. Sie warnte vor Entlassungen und forderte Unternehmen auf, stattdessen diese Mechanismen zu nutzen.

Eine umstrittene Idee, die von Mercadons Präsident Juan Roig vorgeschlagen wurde, eine Senkung der Mehrwertsteuer auf Lebensmittel auf Null zu setzen, stieß auf Widerstand. Díaz argumentierte, dies würde lediglich die Gewinnmargen der Vertriebsunternehmen erhöhen, ohne die Preise für Verbraucher zu senken. Diese Erfahrung aus früheren Krisen unterstreicht die Notwendigkeit differenzierter Ansätze.

Darüber hinaus arbeitet das Ministerium für Soziales und Konsum unter Pablo Bustinduy an Vorschlägen zur Mietpreisbindung und zur Begrenzung von Räumungen, falls sich die wirtschaftliche Lage weiter verschlechtert. Das Finanzministerium untersucht mögliche Steueranpassungen auf Diesel und Benzin, um die Belastung für Familien und Unternehmen zu verringern. Die Regierung plant außerdem, die betriebliche Mobilität zu fördern, insbesondere bei größeren Unternehmen, um den öffentlichen Nahverkehr zu nutzen und die Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen zu verringern. Die Maßnahmen sollen auch über das Arbeitsrecht hinausgehen.

Ein weiterer Punkt, der derzeit diskutiert wird, ist die mögliche Einführung eines Verbots von Entlassungen aus Energiegründen. Díaz betonte die Verfügbarkeit von Instrumenten wie ERTE und RED, um Unternehmen in Notlagen zu unterstützen und Arbeitsplätze zu sichern. Die Regierung setzt auf gezielte, präzise Maßnahmen, um die wirtschaftlichen Auswirkungen der Energiekrise abzumildern. Die Zeit drängt.