Antarktis-fund: 228 meter tief in das klima der vergangenheit geschnitten

Eine bahnbrechende Entdeckung unter dem eisigen Mantel der Antarktis könnte unser Verständnis des Klimawandels grundlegend verändern. Wissenschaftler haben einen 228 Meter langen Sedimentkern geborgen – den längsten je aus einer Eisdecke gewonnen. Er birgt 23 Millionen Jahre Klimageschichte.

Antarktischer kern enthüllt frühere klimazyklen

Antarktischer kern enthüllt frühere klimazyklen

Das Team aus zehn Nationen kämpfte drei Mal, bevor es den Kern erfolgreich extrahieren konnte. Extreme Temperaturen stellten die Bohrgeräte vor enorme Herausforderungen. Doch der dritte Versuch war erfolgreich: Die Bohrer durchbrachen 523 Meter Eis und lieferten eine Probe, die die ursprüngliche Zielgröße von 200 Metern weit übertraf.

„Das ist ein Quantensprung“, erklärt die leitende Wissenschaftlerin Molly Patterson von der Binghamton University. „Früher konnten wir nur oberflächliche Informationen gewinnen. Jetzt haben wir einen direkten Blick auf die Klimageschichte unter dem Eis.“

Der Sedimentkern besteht aus Schlamm, Sand, Gestein und zahlreichen Fossilien – Überresten von Meereslebewesen und Algen, die in offener See lebten. Er belegt, dass das Gebiet einst von einem offenen Meer bedeckt war. Das Eis, das heute die Region bedeckt, war in der Vergangenheit mindestens einmal vollständig verschwunden.

Die Analyse des Kerns liefert wichtige Erkenntnisse darüber, wie Eisdecken auf Temperaturen reagieren, die um mehr als zwei Grad Celsius über dem vorindustriellen Niveau liegen. Bisher basierten Abschätzungen zum Abschmelzen der Antarktis hauptsächlich auf Satellitendaten und Analysen der Eisränder. Dieser Kern ermöglicht erstmals eine direkte Rekonstruktion des geologischen Registers unter dem Eis.

Die Konsequenzen sind alarmierend: Ein vollständiger Verlust der antarktischen Eiskappe würde den Meeresspiegel um 4 bis 5 Meter weltweit ansteigen lassen. Bereits 2025 sind über 1.000 Gletscher verschwunden, bis 2050 könnten jährlich 4.000 Gletschern untergehen.

Das Team arbeitet nun daran, weitere Bohrkerne zu gewinnen, um ein noch genaueres Modell des antarktischen Eises zu erstellen. Jede Schicht des 228 Meter langen Kerns erzählt eine Geschichte – eine Geschichte, die uns zeigt, wie fragil unser Planet ist. Die Antarktis hat 4,5 Milliarden Jahre an Geschichte gespeichert. Dieser Kern ist bisher der längste Abschnitt, den die Wissenschaft entziffern konnte.

Die bisherigen Berechnungen zum Meeresspiegelanstieg sind nun möglicherweise zu konservativ. Die Zeit drängt, und die Antarktis gibt uns gerade die entscheidenden Hinweise, um die Zukunft des Planeten besser vorherzusagen. Die Frage ist nicht mehr, ob sich das Klima verändert, sondern wie schnell – und wie viel Schaden wir noch verhindern können.